Inhaltsverzeichnis
Buchungsportal oder eigene Salon-Website: Wem die Kundenbeziehung gehört, was Reichweite kostet und woran ein Salon merkt, dass er aus dem Portal herauswächst.
Ein Buchungsportal stellt den Salon in ein Verzeichnis, in dem Menschen suchen, die noch keinen Friseur haben. Die eigene Salon-Website erreicht Menschen, die den Namen des Salons bereits kennen oder ihn über die Ortssuche finden. Das sind zwei verschiedene Gruppen, und deshalb ist die Frage „Portal oder eigene Seite" selten eine Frage nach Software.
Sie ist eine Frage danach, woher die Termine Deines Salons kommen sollen – und wem die Beziehung zu den Gästen danach gehört. Dieser Beitrag arbeitet die Unterschiede heraus, ohne einen der beiden Wege pauschal zu empfehlen: Für einen neu eröffneten Salon und für einen mit vollem Terminbuch fällt die Antwort verschieden aus.
1. Wem der Gast nach der ersten Buchung gehört
Der wichtigste Unterschied ist nicht die Buchungsstrecke, sondern das, was danach übrig bleibt. Bucht ein Gast über die eigene Seite, liegen Name, Kontakt und Terminhistorie im System des Salons. Bucht er über ein Portal, liegt die Beziehung zunächst dort – und der Salon sieht möglicherweise nur den Termin, nicht den vollständigen Kontakt.
Praktisch entscheidet das darüber, was Du tun kannst, wenn ein Stammgast ein halbes Jahr nicht da war. Mit eigenen Daten schreibst Du ihm. Ohne eigene Daten wartest Du darauf, dass das Portal ihm etwas schickt – möglicherweise mit einem Angebot des Salons zwei Straßen weiter daneben.
Klär deshalb bei jedem Portal drei Punkte: Welche Kontaktdaten bekommt der Salon tatsächlich? Darf er die Gäste selbst anschreiben? Und was passiert mit den über das Portal gewonnenen Gästen, wenn der Vertrag endet? Die Antworten unterscheiden sich zwischen Anbietern erheblich und stehen selten auf der Startseite.
Reichweite mieten und Kundenbeziehung besitzen sind zwei verschiedene Geschäfte.
2. Für welche Salons Portalreichweite tatsächlich etwas bringt
Ein Portal löst ein bestimmtes Problem gut: Es bringt Menschen, die den Salon nicht kennen und auch nicht gesucht haben. Das ist wertvoll in drei Situationen – bei einer Neueröffnung ohne Kundenstamm, nach einem Umzug in eine andere Gegend und bei freien Kapazitäten, die sich anders nicht füllen lassen, etwa dienstagvormittags.
In diesen Fällen ist die Rechnung einfach: Ein Stuhl, der leer steht, bringt nichts. Ein Termin über das Portal bringt den Umsatz abzüglich der Vermittlungsgebühr, und das ist mehr als nichts. Solange die Vermittlung zusätzliche Termine erzeugt und keine ersetzt, arbeitet das Portal für den Salon.
Umgekehrt wird die Rechnung ungünstig, sobald das Portal Termine vermittelt, die auch ohne es zustande gekommen wären. Genau das passiert mit Stammgästen, die den Salonnamen ins Suchfeld tippen, das Portal als ersten Treffer sehen und dort buchen. Der Salon zahlt dann eine Vermittlungsgebühr für einen Gast, den er schon hatte. Wie viele solcher Fälle es gibt, sieht man nur, wenn man in der Kundenliste nachsieht – deshalb lohnt dieser Blick einmal im Quartal.
3. Was Reichweite über die Gebühr hinaus kostet
Die Vermittlungsgebühr ist der sichtbare Teil des Preises. Daneben stehen drei Posten, die nicht auf der Rechnung auftauchen und trotzdem wirken.
Der erste ist die Nachbarschaft. Auf einer Portalseite steht der Salon zwischen Wettbewerbern, sortiert nach Kriterien, die das Portal bestimmt. Wer dort gefunden werden will, konkurriert nicht mehr über Handwerk und Beziehung, sondern über Position in einer Liste – und über Bewertungen, deren Regeln ebenfalls das Portal setzt.
Der zweite ist die Preisdarstellung. Ein Portal vergleicht Leistungen anhand ihrer Namen und Preise. Für Friseurarbeit, deren Aufwand von Haarlänge, Ausgangsfarbe und Zustand abhängt, ist das eine grobe Vereinfachung, die Vergleiche nahelegt, die fachlich nicht tragen.
Der dritte ist die Abhängigkeit. Wenn ein wesentlicher Teil der Termine über einen Kanal kommt, den jemand anderes betreibt, entscheidet dieser jemand über Konditionen, Sichtbarkeit und Darstellung. Er kann sie ändern, ohne zu fragen. Diese Abhängigkeit ist kein Vorwurf an Portale – sie ist ihr Geschäftsmodell –, aber sie gehört in die Entscheidung.
Weitere interessante Artikel
4. Beide Wege parallel betreiben, ohne Doppelbuchungen zu riskieren
Für die meisten Salons ist die praktische Antwort nicht „entweder oder", sondern eine Aufgabenteilung: Das Portal übernimmt die Neukundengewinnung, die eigene Seite übernimmt die Stammkundschaft und die Wiederbuchung. Das funktioniert, verlangt aber eine technische Bedingung.
Beide Wege müssen auf denselben Kalender schreiben. Zwei getrennte Terminbücher führen zwangsläufig zu dem Fall, in dem zwei Personen für 14 Uhr gebucht sind und eine davon wieder abgesagt werden muss – der teuerste Fehler in diesem Artikel, weil er direkt beim Gast landet.
Zusätzlich lohnt eine Regel für die Rückführung. Wer über das Portal kommt und zufrieden geht, sollte beim Verabschieden erfahren, wie er beim nächsten Mal direkt bucht – als Karte, als Hinweis auf der Rechnung, als Satz an der Kasse. Diese Rückführung ist der einzige Weg, aus gemieteter Reichweite eine eigene Kundenbeziehung zu machen, und sie kostet nichts außer der Gewohnheit, sie zu machen. Prüf allerdings vorher Deinen Portalvertrag: Manche Anbieter regeln ausdrücklich, was Du einem vermittelten Gast sagen darfst.
5. Anzeichen, dass der Salon aus dem Portal herauswächst
Die Frage stellt sich meistens nicht am Anfang, sondern nach zwei bis drei Jahren – und sie stellt sich leise, weil die monatliche Abrechnung Gewohnheit geworden ist. Es gibt drei brauchbare Anzeichen.
Das erste: Der Anteil der Portalbuchungen an den Gesamtterminen sinkt, aber der Betrag der Vermittlungsgebühren bleibt gleich oder steigt. Das deutet darauf hin, dass das Portal zunehmend Stammgäste vermittelt statt neue zu bringen.
Das zweite: Du erkennst die Namen. Wenn Du in der Liste der vermittelten Termine überwiegend Gäste findest, die Du persönlich kennst, ist die Vermittlung keine mehr.
Das dritte: Das Terminbuch ist ohnehin voll. Ein Portal, das Kapazität füllt, hilft; ein Portal, das eine Warteliste verwaltet, kostet nur. In diesem Fall ist der Schritt selten der harte Ausstieg, sondern eine Reduktion – weniger buchbare Zeiten über das Portal, mehr über die eigene Seite, und ein genauer Blick auf die Kündigungsfrist, bevor irgendetwas umgestellt wird.
Portal und eigene Salon-Website beantworten verschiedene Fragen: Das eine kauft Reichweite bei Menschen ohne Bindung, das andere baut die Bindung auf, die Reichweite überflüssig macht. Ein Salon am Anfang braucht das erste, ein etablierter Salon lebt vom zweiten, und die meisten stehen irgendwo dazwischen. Was die Entscheidung tragfähig macht, ist nicht die Grundsatzfrage, sondern die Zahl im eigenen Terminbuch: wie viele der vermittelten Gäste tatsächlich neu waren.
Eigene Seite statt Portal-Profil?
Leistungen, Team, Öffnungszeiten und Bewertungen auf einer eigenen Seite – mit Buchung im selben System statt als Plugin.